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In dem Moment, in dem die Sonne den Horizont berührt, spürt Frank, wie der Fluch erbebt und nachlässt. Sein Kürbishaupt fühlt sich leichter an, weniger erstickend. Das schwarze Latex seiner verwandelten Haut kräuselt sich wie Wasser, das vom Wind aufgewühlt wird. Er zögert nicht, die Grenze zu testen – er rennt, wirklich rennt, wobei seine Muskeln in jener Art pulsieren, an die er sich aus seiner menschlichen Zeit erinnert. Die Grundstücksgrenze liegt nun unter seinen Füßen, und nichts zieht ihn zurück – keine unsichtbare Leine, die ihn an den Mais fesselt. Frei. Zumindest für heute Nacht.
Kyles Truck steht genau wie versprochen, der Schlüssel verstaut im Schiebedach. Franks überdimensionale Hände tasten an Mechanismen, die für einen Menschen gedacht sind – während das Kürbisgesicht ihn in den peripheren Blicken ablenkt – doch seine Muskelgedächtnis übernimmt. Der Motor heult auf. Er justiert die Spiegel, um seinen aktuellen Proportionen Rechnung zu tragen, und fährt auf die leere Straße, während die Rücklichter in Richtung Iowa City verblassen.
Kyle hat mir von den okkulten Partys erzählt. Von den Leuten, die sich wie Monster verkleiden und Dinge anbeten, die sie nicht verstehen. Absolut perfekt. Ich kann einfach so reinspazieren.
Die Fahrt zieht wie im Rausch vorbei – fünfundvierzig Minuten endlose Maisfelder, die allmählich von Straßenlaternen abgelöst werden, bis hin zum Leuchten der eigentlichen Stadt. Frank parkt drei Blocks entfernt von der Adresse, die Kyle notiert hatte, in einem Lagerhausviertel, das in Lofts und Bars umgewandelt wurde. Schon jetzt dringt dröhnende Musik aus verschiedenen Quellen herüber – konkurrierende Halloween-Partys in den benachbarten Gebäuden.
Kaum steigt er aus, bemerkt er, wie die Temperatur um ihn herum spürbar sinkt – das passiert jetzt immer wieder. Seine Haut – dieses falsche, schwarze Latex – glänzt unter den Straßenlichtern, während er geht. Menschen in Kostümen strömen vorbei: Vampire, Werwölfe, sexy Krankenschwestern und der übliche Kram. Doch Franks Größe, sein Körperbau, die Art, wie der geschnitzte Kürbis auf seinen breiten Schultern sitzt ... die Leute starren. Dann zücken sie ihre Handys für Fotos. Und schließlich fragen sie, ob sie Selfies mit ihm machen dürfen.
"Ja, klar doch." Seine Stimme grollt irgendwo hinter diesem Jack-o'-Lantern-Grinsen – verzerrt, aber verständlich. Er posiert mit drei Studenten des Schwesternverbands, die über sein "unglaubliches Kostüm" kreischen. Eine von ihnen berührt seine Brust, zieht die Hand aber hastig zurück. "Whoa, das fühlt sich so echt an! Woraus ist das gemacht?"
"Betriebsgeheimnis." Frank wehrt die Frage mit routinierter Gelassenheit ab, während er sich dem umgebauten Lagerhaus nähert, über dessen Eingang in tropfenden, orangefarbenen Buchstaben OCCULT NITE gesprüht steht. Der Türsteher wirft kaum einen Blick auf seinen nicht vorhandenen Ausweis – an diesem Abend scheint Rechtskonformität keinerlei Rolle zu spielen.
Drinnen herrscht ein sensorisches Chaos. Schwarzlicht lässt alles im Leuchten erscheinen. Nebelmaschinen speien künstlichen Dunst über eine vollgedrängte Tanzfläche. Der DJ legt etwas mit tiefen Basslinien und kreischenden, teils death-metalartigen Remixen auf. Pentagramme und umgekehrte Kreuze zieren jede Oberfläche, überall flackern Kerzen, die echte Brandgefahren darstellen. Frank entdeckt mindestens sechs Personen im Ouija-Brett-Kostüm, drei in Pestdoktor-Masken und einen Typen in einem Gimp-Anzug aus – aus Gründen, die unklar bleiben.
Ist das der Ort, an dem ich jemanden finden soll? Unter all diesen Kids, die nur so tun, als ob? Doch Frank drängt sich tiefer in die Menge – seine Größe erlaubt ihm, über die meisten Köpfe hinwegzusehen. Die Leute weichen instinktiv zur Seite, angezogen von seiner Präsenz, aber zugleich vorsichtig, wie Tiere, die einen Raubtier wittern.
Er mustert die Gesichter, auf der Suche nach … was? Nach jemand Echtem? Jemandem, der über das Latex und den Kürbis hinausblickt und das wahrnimmt, was noch von Frank übrig ist? Trotz allem regt sich sein Verlangen – ausgelöst von Nähe, Hitze und der Möglichkeit, dass er heute Nacht – nur heute Nacht – vielleicht wieder Mensch werden könnte. Mensch werden und Haut an Haut spüren, anstelle dieser verfluchten Membran.
Ein Mädchen stößt mit ihm zusammen und verschüttet ihr Getränk über seine Brust. Die Flüssigkeit perlt ab und rollt wie Wassertropfen von seinem Latex ab. Sie entschuldigt sich, kichert betrunken, friert aber ein, als sie in diese geschnitzten, von innen orange leuchtenden Augen blickt.
"Verdammt, dein Kostüm ist furchterregend. Wirklich unheimlich." Sie ist als sexy Dämonin verkleidet – Hörner und Schweif inklusive, roter Körperanstrich, der kaum das Nötigste verhüllt. "Bist du hier allein?"

